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nasowatt
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Freitag, der 22.03.2019

Im Jahre 1978 machte ich den damaligen Führerschein Klasse 4. Mein erster fahrbarer Untersatz war eine Vespa 50N. In meiner Ausbildungszeit fuhr ich mit dem Roller fast jeden Tag 30 Kilometer zum Arbeitsplatz. Oft lief das Regenwasser oben rein und unten Vespa_01raus. Die Endgeschwindigkeit des Rollers war nicht berauschend und jeglicher Versuch des Tunings schlug fehl. Dennoch brachte der Roller mich überall hin. Es dauerte nur etwas länger. 1979 unternahm ich sogar mit einem Kumpel eine Fahrt durch Holland. Er fuhr eine Kreidler Florett und ich meine Vespa. Die Fahrt ging über Bremerhaven, Groningen, Terschelling, Amsterdam, Edam und Arnheim.
Der Roller war mein Schrauber-Objekt. Es wurde alles demontiert und wieder montiert. Sogar den Motor hatte ich zerlegt um Lager zu wechseln. Die Motorschale in den Backofen und das Lager in den Kühlschrank, so ging es.
Irgendwann musste der Roller dem ersten Wagen Platz machen. Er wurde verkauft. Es folgten viele vespalose Jahre.

Dank des alten Führerscheins Klasse 4 darf ich Leichtkrafträder fahren. Der Wunsch erwuchs, wieder eine Vespa zu besitzen. Dieses Mal aber mit mehr Hubraum. Ausserdem wollte ich nicht auf die hakelige Handschaltung verzichten. Ich fand eine Vespa PX125E im Netz zu einem erschwinglichen Preis. Baujahr 1983, keine Lusso! Es ist wohl eine der letzten der alten Baureihe ohne Getrenntschmierung.
Vespa_03Da der Lack total verschandelt war, musste ich sie komplett lackieren lassen. Dazu zerlegte ich den Roller in sämtliche Einzelteile. Der Lackierer machte seine Arbeit grandios. Er konnte den Originalfarbton im Handschuhfach ermitteln, entrostete und grundierte alles und versah die Vespa mit neuer Farbe. Danach ging es ans Zusammenbauen. Ich tauschte gleich die Züge und das Lenkerlager aus. Auch die Bremsen und die Bereifung wurden erneuert. Im Laufe der Zeit kamen ein neuer Zylinder und Kolben, eine Cosa2-Kupplung mit 22 Zähnen, ein neuer Spannungsregler und Blinkgeber hinzu. Gekauft hatte ich den Roller mit einer Stufensitzbank. Da ich aber etwas näher am Original bleiben wollte, kaufte ich eine gebrauchte Sitzbank und bezog sie neu. Ich erstand einen alten Gepäckträger und die Fussrasten für den Sozius.

Vespa_05

Nun ist sie fertig und ich meine, dass sie gut aussieht. Je nach Windrichtung und Windstärke fährt sie nach Navi zwischen 80 und 90 Kilometer pro Stunde. Eine grössere Fahrt an die Müritz über 360 Kilometer hat sie tadellos gemeistert.

Hier ein paar Erfahrungswerte meiner Schraubertätigkeiten:

Es lohnt sich, eine Cosa2-Kupplung mit dem 200er Kupplungsdeckel zu verwenden, wenn man nicht alle naselang das Kupplungsseil wechseln will.

Ein SIP-Road-Auspuff ist nur mit grösserer Hauptdüse und eventuell mit einer fetteren Nebendüse sinnvoll.

Die richtige Zündkerze muss es sein. Ich fahre eine Bosch, da eine NGK mehr Ruß ansetzt.

Der Zündzeitpunkt sollte stimmen.

Nie zu mager abstimmen. Der Kolben braucht eine vernünftige Schmierung. Es ist ein 2-Takter.

Vorsicht: wenn das Vespa-Fieber einen packt, wird man es schwerlich los.

VESPA_06

 

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