Ich brauche Struktur! Ein zwiespältiges Thema

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nasowatt
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Freitag, der 22.03.2019

In festen Strukturen fühlen wir uns sicher und geborgen. Wir kennen uns aus und wissen, was zu tun ist. Ändert sich plötzlich ein Zustand, so sind wir desorientiert und suchen einen festen Punkt zur Ausrichtung.
Im Arbeitsprozess brauchen wir Struktur. Wir benötigen eine Arbeitsplatzbeschreibung, Ansprechpartner und einen hierarchischen Aufbau. Wir brauchen einen Rahmen unserer Kompetenzen und Ziele. Ist das gegeben, fühlen wir uns am Arbeitsplatz sicher. Innerhalb dieser Struktur können wir als Individuum agieren. Nun gibt es noch andere Strukturen, die sich miteinander verschachteln, so z.B. die Arbeitsteilung innerhalb eines Büros, die nicht zwingend vorgegeben ist.
Wir strukturieren unser Leben. Schule, Ausbildung, Weiterbildung, Familienplanung, Hausbau und Freizeit werden geplant und schon haben wir Perspektiven und Ziele. Ohne Strukturen wäre unser Lebensweg chaotisch und zufallsträchtig.
StrukturDer Schiffs- und Strassenverkehr ist strukturiert und gibt uns bei der Teilnahme einigermaßen Sicherheit. Wir kommen mit Kreuzungen, Ampeln und Zebrastreifen zurecht und können miteinander umgehen.
Was sind Strukturen? Meiner Meinung nach handelt es sich um ein Regelwerk, welches den Rahmen unseres Handelns beschreibt und eine Wenn-Dann-Beziehung beinhaltet. Wir können Regelwerke selber definieren oder existente annehmen. Stellen wir uns ausserhalb dieser Strukturen, handeln wir in eigener Rechnung. Wir übernehmen dann die Verantwortung für unser Tun.
Struktur und Zufall beissen sich. Ein zufälliges Ergebnis erwächst nicht aus einer Struktur, sondern bestimmt selbst Zeit und Ort seines Auftretens. Nehmen wir einen Lotto-Schein und füllen ihn strukturiert aus. Werden wir nun Millionäre? Mitnichten! Die Struktur kann den Zufall nicht beschreiben. Er tritt nicht nach einer Regel auf. Und doch suchen etliche den Zufall um ihr Leben mehr Struktur geben zu können.
Nun kommt aber die Krux: Weiterentwicklung kann nur geschehen, wenn wir unseren sicheren Rahmen verlassen und über den Tellerrand schauen oder sogar den Teller verlassen. Wir sind dann auf uns gestellt und müssen auch die unbekannte Umgebung beschreiben. Im Anschluss ist es dann noch unsere Aufgabe, andere vom Neuen zu überzeugen. Unseren heutigen Stand haben wir solchen Pionieren zu verdanken, die sich auf unentdecktes Terrain begaben. Sie verliessen alle Sicherheit und stiessen auf Neuland.
Staaten verliessen ihre alte Machtstruktur und entdeckten die Demokratie. Galileo Galilei verliess die damalige Glaubensstruktur und entdeckte das Weltall neu. In beiden Fällen gab es sehr viele Gegner und es dauerte seine Zeit, bis die neuen Strukturen sich festigten. Manch einer hat die sichere Struktur seines Arbeitsplatzes verlassen und ist in die Selbständigkeit gezogen.
Glaubensstrukturen vermitteln uns die Sicherheit, den Himmel zu gewinnen. Wenn wir diese Strukturen verlassen, fühlen wir uns einsam und ängstlich. Wir müssen alles neu beschreiben und entdecken. Vielleicht ist das aber gerade der Weg, den Himmel neu zu definieren. Auch hier können wir Pioniere sein, die Neuland entdecken.

So bleibt festzustellen, daß wir Struktur brauchen, aber nicht um jeden Preis. Wollen wir uns weiterentwickeln, müssen wir das Wagnis eines unsicheren Weges eingehen.

Detlef Thiele, im Jahre 2011

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