Gut oder böse. Eine eigenwillige Betrachtung

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nasowatt
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Freitag, der 22.03.2019

Wir sind bemüht, unser Leben mit guten Taten zu füllen. In manchen Religionen wird solches Handeln mit der Aussicht auf einen bequemen Platz im Himmel in Verbindung gebracht. Eine andere Motivation zu guten Taten ist der Satz:" Geht es anderen gut, dann geht es mir gut."
Wir brauchen die Wohltaten anderer, die uns unentgeltlich gereicht werden. Sie vermitteln uns eine besondere Art der Wertschätzung. Doch was ist letztendlich gut? Können wir zu jeder Zeit sagen, daß unsere Taten gut waren und sind? Christus wurde damals mit "Guter Meister" angeredet. Seine Antwort darauf lautete:" Was nennst du mich guter Meister? Gott allein ist gut."
Um gute Taten im Leben zu sammeln, müssen sie ewig beständig sein. Das können wir aber nicht immer mit Sicherheit behaupten. Eine gute Tat kann böses Handeln nach sich ziehen. Somit ist das Gute nicht auf Dauer gut, sondern nur zu dem Zeitpunkt der Wirkung.
Nehmen wir ein krasses Beispiel: Sie retten einen Menschen vor dem Ertrinken, in dem Sie in kaltes Wasser springen und ihn herausziehen. Eine wahrlich gute Tat. Der Gerettete verübt später einen Banküberfall und erschiesst auf der Flucht einen Passanten. Wir könnten die Situation noch verschärfen, weil der Erschossene einer Ihrer Verwandten ist. Aus der vermeintlichen guten Tat ist eine böse geworden, denn all das hätte nicht passieren können, wenn Sie den Ertrinkenden nicht gerettet hätten. Sie haben zu dem Zeitpunkt aber nicht gewusst, was sich in der Zukunft abspielen wird. Hätten Sie nicht gehandelt, würde Sie die unterlassene Hilfeleistung ein Leben lang verfolgen. Ein wahres Dilemma.
Wir könnten noch mehr Beispiele konstruieren, belassen es aber bei dem einen. Es zeigt Gegensaetzeauf, wie schwierig die Bewertung einer guten oder bösen Tat ist. Nehmen wir die Bibel zur Hand und lesen in den ersten Kapiteln. Adam und Eva aßen unerlaubter Weise von den Früchten des Baums der Erkenntnis des Guten und Bösen. Das hatte weitreichende Folgen für sie, denn im Anschluss mussten sie das Paradies verlassen. Sie nahmen aber die Fähigkeit der Erkenntnis von Gut und Böse mit. Somit dürften wir heute eigentlich kein Problem in der Bewertung unserer Taten haben, doch unser oben angeführtes Beispiel besagt etwas anderes. Da uns der Blick in die Zukunft fehlt, ist uns die eindeutige Klassifizierung versagt. Oft lesen wir:"Tu Gutes..." und merken, wie schwer es doch eigentlich ist, wahrhaftig Gutes zu tun. Aber auch vermeintlich böse Taten können Gutes nach sich ziehen.
So müssen wir mit der Tatsache leben, daß Gutes oder Böses nur zum Zeitpunkt des Geschehens ihren eindeutigen Wert haben. Wiederum hilft es uns aber auch, Gutes ohne bitteren Nachgeschmack möglicher Folgewirkungen zu tun.
In der christlichen Welt sind die Zehn Gebote Richtlinie für ein gutes Gewissen. Das vierte Gebot besagt:"Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebst auf Erden.". Es fehlt aber ein Gebot, welches Kinder unter einen besonderen Schutz stellt. Ist es nicht wichtig, das in die Kategorie guter Taten aufzunehmen? Wie oft hören wir von Misshandlungen Schutzbefohlener, ja sogar von Mord. Ich sehe hier dringenden Handlungsbedarf, die Gebote zu erweitern.
Die Ansicht von Gut und Böse ist auch Veränderungen unterlegen. In der Zeit der Christianisierung galt es als gute Tat, Menschen mit Gewalt zum Glauben zu zwingen. Auch die dunkle Zeit der Hexenverfolgung bemaß das Denunzieren vermeintlicher Hexen als gute Tat. So erleben wir einen ständigen Wandel der Werte. Was heute noch gut ist, kann morgen schon den Weg zur Hölle bereiten.

Im Abschluss unserer Betrachtung müssen wir feststellen, daß einzig und allein das Gute sowie das Böse im Hier und Jetzt seine Gültigkeit hat.

Detlef Thiele, im Jahre 2011

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