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nasowatt
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Freitag, der 24.05.2019

Es existieren viele Theorien über die Entstehung des Lebens. Ebenso viele Gedanken, wenn nicht noch mehr, wurden und werden über den Sinn des Lebens geäussert. Religionen und Philosophien versuchen zu ergründen, wo und bei wem der Anfang lag. Jede Seite hat Befürworter und Gegner. Die Frage "Und was war davor?" wird wohl jeden in die Ecke drängen. Es gibt Dinge, die wir nicht erklären können. Wir leben vermutlich in einer dreidimensionalen Welt. Wir kennen bei einem Würfel Länge, Breite und Höhe. Stellen wir uns einen Würfel im vierdimensionalen Raum vor. Er hat die bekannten drei Dimensionen und geht vielleicht von der Vergangenheit in die Zukunft. Na, vorstellbar? Wir leben in einem Zeitraster und in den Religionen wird von Ewigkeit gesprochen. Na, vorstellbar?
Was ist der Mensch in seinem Dasein? Schöpfung, Kreatur oder Zufallsprodukt? Ich las vor geraumer Zeit das Buch "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" von Frank Schätzing. Es ist sehr empfehlenswert und regt zum Nachdenken an. Wir dürfen die Fakten der Forschung nicht einfach so ignorieren, sondern müssen die wachsende Erkenntnis mit dem jetzigen Wissen erweitern. Vielleicht nähern wir uns dem Anfang, wenn wir Religion, Wissenschaft und Philosophie miteinander verknüpfen. Widmen wir uns nun dem Blick nach innen.
SeinIch denke und fühle. Manchmal driften Gedanken und Gefühl auseinander. Sicherlich kennen Sie den Spruch:"Nun sei doch vernünftig!". Wahrscheinlich hörten wir ihn, als wir aus dem Bauch heraus und gegen den allgemeinen Vernunftsinn handelten. Wenn ich darüber nachdenke, scheint es so, dass tatsächlich zwei Herzen in unserer Brust schlagen, die nicht immer syncron laufen. Das hätte aber zur Folge, dass der Mensch keine Gesamtheit ist.
Im Religionsunterricht lernte ich, dass der Mensch aus Geist, Seele und Leib besteht. Nach unserem Ableben, so hiess es, kommen Geist und Seele in den Himmel. Der Körper hat dann ausgedient und vergeht. Im Körper sitzt unser Gehirn, welches uns durch das Leben steuert. Wie diese Prozesse im Gehirn ablaufen, weiss die Hirnforschung noch nicht bis ins kleinste Detail. Jedenfalls ist dieser sagenhafte Massenspeicher für unser Tun und Handeln immens wichtig. Lesen Sie hierzu bitte den Artikel über António Damásio auf Wikipedia.
Im Laufe der Jahrtausende hat sich der Mensch Überlebenstechniken angeeignet. Aus diesem weitergegebenen Wissen handeln wir nicht immer zum Wohle des Nächsten. Aus Impulsen heraus schützen wir unser Leben. Handeln wir dann im Sinne der Vernunft? Fragen über Fragen.
Für Religionslehrer ist es schwierig, Fragen beantworten zu müssen, deren Antwort das Glaubensdogma ins Zwielicht stellt. Nehmen wir einmal die Frage, wann Leben entsteht. Ist es gleich nach der Zellteilung? Ist der Mensch dann schon mit einer Seele ausgestattet? Was ist mit befruchteten Eizellen, die sich vor dem Tiefkühlen geteilt haben? Auszuschliessen ist es nicht, obwohl es gesetzlich verboten ist. Ist die Seele dann auch schockgefroren? Kann man eine Seele einfrieren? Eine andere Frage stellt sich bei Adam und Eva. Sie sollten im Paradies nicht vom Baum der Erkenntnis naschen. Nun wussten die beiden nicht, was gut und böse ist. Sie sollten etwas tun, was sie nicht kannten. Ist ein Gebot gerechtfertigt, wenn man Entscheidungen noch nicht gelebt hat? Eine Frage möchte ich noch anführen: Kann sich das Böse nicht immer wieder entwickeln? Gibt es überhaupt die Möglichkeit, das Ungute für alle Zeiten auszuschalten? Ich stellte diese Frage einmal einen Religionslehrer. Zur Antwort bekam ich, dass die Frage nicht beantwortet werden kann...
Und auch hier kann nur der Zusammenschluss von Wissen und Glauben etwas Klarheit bringen. Selbstverständlich erzeugt jede Antwort mindestens zwei neue Fragen. Dennoch denke ich, dass wir Antworten suchen sollten. Es gibt interessante Theorien aus der Philosophie, die uns aus unserer gemächlichen Ruhe aufschrecken und nachdenklich stimmen, eine davon ist der radikale Konstruktivismus, nachzulesen z.B. unter Wikipedia. Vielleicht ist meine Umwelt so, weil ich sie mir dementsprechend konstruiere. Vielleicht ist die Welt ganz anders, als ich sie sehe. Erschreckende Gedanken? Ich denke nicht, da wir uns auf der Suche nach dem Sein in alle Richtungen bewegen müssen.
Und so stehen wir wieder am Anfang dieser Seite und fragen uns, was unser Sein ausmacht. Sind wir denn in unserem Wesen so sehr unterschiedlich zu den Tieren? Warum sprechen wir Tieren den Besitz einer Seele ab? Weil wir meinen, dass sie keinen Intellekt besitzen? Ist unser Sein das Innehaben einer Seele, so haben Tiere sie auch, denn auch sie sind existent. Tiere haben auch Gefühle und nicht nur angeborene Instinkte.
Der Mensch sucht Antworten auf die Frage, was seine Existenz ausmacht. Warum? Lebt er dann ruhiger? Braucht er eine Rechtfertigung für sein Leben? Unterscheidet uns dieser Denkprozess von anderen Lebewesen auf der Erde? Meinem Denken nach ist das Leben in erster Linie zum Leben gedacht. Was meine ich damit? Das Leben ohne schlechtes Gewissen leben zu können, so wie z.B. die Tierwelt es vorlebt.
Gehen wir in unseren Überlegungen weiter. Der Mensch hat Verstand und Gefühl. Beide laufen nicht immer syncron. Manchmal handeln wir nicht nach Vernunft, sondern nach Bauchgefühl. Oft sagen wir:" Ich hätte es anders machen sollen, aber mein Gewissen meldete sich.". Betrachten wir den Menschen als Gesamtheit. Da Verstand und Gefühl manchmal auseinander driften, muss da noch etwas in uns sein, was letztendlich entscheidet. Vielleicht ist das unser Sein. Nennen wir es Getrive (Gefühl trifft Verstand). Getrive - das sind wir. Unser Verstand wirft in Entscheidungssituationen alles Erfahrene und Gelernte in die Wagschale. Unser Gefühl, auch Seele genannt, hält das Unterbewusste und Empfundene dagegen. Getrive entscheidet dann. Getrive sondiert die Argumente beider Parteien und wägt ab. Ist ein Ungleichgewicht im Kräfteverhältnis beider Parteien vorhanden, wird auch Getrive zur einen wie zur anderen Seite neigen. Ist Getrive unabhängig von Verstand und Seele zu sehen? Ich meine nicht. Getrive braucht beide oder auch nur einen, um zu steuern.
Das wäre eine Erklärung unseres Seins, aber auch diese wirft Fragen auf: Was passiert mit Getrive, wenn wir sterben? Wird unsere Existenz dann völlig ausgelöscht? Hat Getrive auch ein Eigenleben? Wenn ja, wie ist es geprägt?
War dieser Gedankengang mit Getrive für Sie zu versponnen? Nun, Theorien werden aufgestellt und wieder verworfen. Lassen wir Getrive hinter uns und nehmen wir unser Bewusstsein unter die Lupe. Wir existieren, weil wir uns dessen bewusst sind. Wären wir uns des Lebens nicht bewusst, würden wir dahinvegetieren. Wir hören, lesen, sprechen und essen bewusst.... Wir meinen es zumindest. Was haben Sie vor drei Tagen gehört, gegessen und gesprochen? Wenn wir Fehler begehen, sprechen wir von unbewussten Verfehlungen. Manchmal ist uns unser Bewusstsein doch eher unbequem. Doch zeichnet es uns als Menschen aus. Sprechen wir den Tieren das Bewusstsein ab? Werden sie nur von Instinkten gesteuert?
Tiere finden ihren Einsatz in Therapien, da sie äusserst sensibel reagieren können. Sie Naturgehen bewusst mit den Patienten um. Wenn sie sich dessen bewusst sind, warum dann nicht auch um ihrer Selbst willen. Vielleicht ist uns der Gedanke beim Verzehr eines Schnitzels nicht so angenehm. Unser Sein ist mit vielen Dingen um uns herum verknüpft. Wir stehen in Abhängigkeit zur Natur. Wir brauchen Bäume und Meere für den Sauerstoff, wir benötigen Licht und Wärme zum Wohlbefinden, wir brauchen Nahrung. In allem sind wir Teil des Ganzen. Bringen wir im Erdablauf etwas durcheinander, hat es gravierende Auswirkungen auf unser Leben. Die Erde ist kein Testfeld mit "try and error", sondern unser Lebensraum. Wenn wir uns unserer Existenz bewusst sind, wissen wir die Dinge zu schätzen und zu erhalten, die uns mit dem nötigen Equipment ausstatten.
Sehen wir uns als Mosaiksteinchen des Lebens. Ohne Sie und mich fehlte da etwas im Bild. Leben wir bewusst und erhalten wir bewusst. Sprechen wir den anderen Mosaikteilchen des Lebens, wie Fauna und Flora, nicht ab, daß auch sie sich ihres Seins bewusst sind.

Detlef Thiele, im Jahre 2011

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Die Frage nach dem Sein